Bewegung das A und O
Gehen wir davon aus, dass unser Körper sich so, wie er genetisch festgelegt ist, bei Nutzung aller eingebauten Bewegungswinkel, zu 100% bewegen kann. Was denken sie, wie viel davon wir heute durchschnittlich nutzen?
Die Antworten bewegen sich zwischen 10 und 30 Prozent. Den größten Teil der Möglichkeiten, uns zu bewegen, nutzen wir nicht.
Alles muss im Fluss sein
Alles in uns ist vernetzt, alles in uns fließt und bewegt sich. Blut und Lymphe sind die Transportflüssigkeiten, die die Nährstoffe dorthin befördern, wo sie benötigt werden, bzw. Abfallstoffe abtransportieren.
Bei längerem sitzen oder liegen werden die feinsten Verästelungen der Gefäße, die Kapillaren, nur minimal durchblutet. Aber in ihnen findet der Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselendprodukten zwischen dem Blutkreislauf und den Geweben statt.
Die Nährstoffe gelangen aus dem Blut in die Zwischenzellflüssigkeit (in die Flüssigkeit zwischen den Zellen des Bindegewebes), und werden zu den Organgeweben transportiert. Umgekehrt werden Abfallstoffe (Zellausscheidungen) aus den Geweben über die Zwischenzellflüssigkeit wieder in den Blutkreislauf aufgenommen und abtransportiert.
In relativ unbewegten Körperbereichen funktioniert dieser Austausch nicht richtig, die Nährstoffe und Abfallstoffe bleiben in der Zwischenzellflüssigkeit hängen und sammeln sich dort an.
Bewegen wir uns zu wenig, bauen wir sehr schnell auf allen Funktionsebenen ab. Doch sobald wir wieder in Bewegung kommen, pumpen die Muskeln das Blut durch die Adern, auch der Lymphfluss wird wieder angeregt, die Zellen werden wieder mit Nährstoffen versorgt, die Abfallstoffe werden wieder weggeschafft.
Bewegung ist für uns Menschen also immens wichtig. Und zwar genügend Bewegung, das ist deutlich mehr, als es im heutigen Alltag üblich ist.
Zu wenig und einseitige Bewegung, Ursache für Schmerzen
Viele Bewegungen, für die unser Körper konstruiert ist, finden zu selten oder zu einseitig statt. Wir müssen nicht mehr nach hinten greifen, um einen Ordner aus dem Regal zu nehmen, weil wir uns auf dem Drehstuhl sitzend herumdrehen. Wir strecken uns nicht weit nach oben und hangeln nicht an Ästen, weil wir nicht auf Bäume klettern. Wir erklimmen keinen Hang, weil wir mit dem Aufzug in den dritten Stock kommen. Wir laufen nicht zig Kilometer am Tag, weil wir die Entfernungen mit dem Auto zurücklegen und in Flughäfen und Bahnhöfen nach stundenlangem sitzen Rolltreppen und Laufbänder benutzen, auf denen wir dann stehen, statt zu gehen.
Doch jede Bewegung ist wichtig, damit die inneren Körperflüssigkeiten im Fluss bleiben, und sie wirkt sich auch auf Knochen, Gelenke, Muskeln und Bindegewebe, sowie auf die Faszien, Sehnen, Bänder und Kapseln aus.
Liegt es da nicht nahe, dass diese Strukturen massiv unter der einseitigen oder fehlenden Bewegung leiden?
Ist es möglicherweise kein Zufall, dass so gut wie alle der heute vorkommenden Schmerzen oder Schädigungen exakt diese Strukturen oder deren nähere Umgebung betreffen?
Genau diese Zusammenhänge haben Liebscher und Bracht mehr als 25 Jahre lang untersucht und dabei herausgefunden, wie fast alle der heute am häufigsten auftretenden Schmerzen entstehen.
Die Menschen trainieren sie sich, ohne es zu wissen, selbst an, einfach weil sie so leben, wie das heute üblich ist.
(Quelle: Buch: Faszien Rollmassage)