Neue Theorie der Schmerzentstehung
Heutzutage sind die häufigsten verbreiteten Schmerzen Alarmschmerzen. Sie sollen den Körper vor einer Schädigung im Gelenk oder in der Wirbelsäule warnen.
Beschäftigen wir uns mal mit der Mechanik, die zum Verschleiß eines Gelenks führt.
Ein Gelenk ist von Muskeln überzogen. Die Muskeln sind über die Sehnen mit dem Knochen verbunden. Sie können ihre Länge verändern und führen somit eine Bewegung aus.
Es gibt zwei Muskelgruppen für jede Bewegung.
Gruppe 1: Ausführende Muskeln (Agonisten)
Sie ziehen sich aktiv zusammen und werden kürzer.
Gruppe 2: Nachgebende Muskeln (Antagonisten)
Sie überspannen das Gelenk auf der Gegenseite und geben bei der Bewegung passiv nach.
Die Agonisten (kontrahierende Muskeln) werden kürzer und die Antagonisten (nachgebende Muskeln) werden länger und somit ist für die Bewegung des Knochens genügend Spielraum vorhanden.
Man kann sich das gut mit dem Bild einer Wippe vorstellen.
Damit eine Bewegung zustande kommt, muss die eine Seite hoch und die andere Seite runter. Das Wippen wird dadurch möglich, dass sich die Person die sich dem Boden nähert, mit seinen Füssen wieder abdrückt, um sich leichter zu machen.
Beide Personen sollten ein ähnlich gleiches Gewicht haben. Wenn dies gewährleistet ist, können die beiden solange wippen wie sie wünschen.
Diese Situation kann man sehr schön auf ein Gelenk übertragen.
Die Agonisten ziehen den Knochen bei einer Bewegung leicht mit sich, wenn der Antagonist bei dieser Bewegung flüssig nachgibt.
Beide Muskelgruppen wechseln sich gegenseitig bei der Gegenbewegung in ihrer Funktion ab.
Der Antagonist wird zum Agonsist und umgekehrt.
Was passiert aber, wenn sich die Muskeln (z.B. die Bauch- und Hüftbeugermuskulatur) die durch einseitige oder überwiegend statische Bewegungsabläufe im Alltag (z.B. im Büro) verkürzen?
Die dadurch entstehende Kraft geht in das Gelenk der Wippe.
Wird die Kraft zu groß, ensteht ein Schaden im Gelenk oder die Wippe bricht.
In der Abb. mit der Wippe hält eine Person auf die wir keinen Einfluss haben eine Seite fest am Boden.
Vergleichbar mit einem Muskel der nicht nachgeben kann, weil man ihn auf Grund seiner Verkürzung nicht ansteuern kann.
Die andere Person, die wir erreichen können, versucht nun gegen diese Kraft die andere Seite zum Boden zu drücken. Wir bemerken das und wollen vermeiden, dass die Wippe zerbricht.
Wen könnten wir direkt auffordern mit dem Drücken aufzuhören?
Logischer Weise fordern wir denjenigen auf, auf den wir Einfluss haben. Die Seite die oben ist und versucht nach unten zu drücken. Denn nur Ihn können wir davon abhalten, die Wippe vor einem Schaden zu bewahren.
Wenn der Körper die Überlastung in einem Gelenk wahrnimmt, wo würde er dann eingreifen?
Ganz klar! Bei den ansteuernden Muskeln, die die Bewegung aktiv auslösen. Deswegen projiziert der Körper einen Schmerz.
Im selben Moment, wenn sich der Muskel kontrahieren möchte, strahlt dort ein Schmerz auf, so dass die Bewegung verhindert wird.
Den Alarmschmerz können wir als Sprache unseres Körpers verstehen. Er will uns davor bewahren, unsere Gelenke übermäßig zu belasten und zu schädigen.
Die meisten Menschen arbeiten heute sitzend.
Wenn wir es uns nochmal genauer betrachten, schlafen die meisten Menschen sogar in einer sitzenden Position, in der Seitenlage.
Durch die sitzende Haltung kontrahiert sich die vordere Muskulatur, wie oben in unserem Beispiel die Hüftbeuger- und die Bauchmuskulatur.
Dadurch resultiert eine nach vorne ziehende Kraft.
Durch die immer größer werdende Vorspannung und Verkürzung der vorderen Muskulatur, entwickelt die hintere Muskulatur eine hohe Gegenspannung. Der Druck auf die Facettengelenke und die Bandscheiben erhöht sich.
Und im Laufe der Jahre ist der Rückenstrecker irgendwann so überfordert und schafft es nicht mehr gegenzuhalten.
Ab einer bestimmten Intensität, einer Belastung, die immer größer wird, schickt der Körper vom Gehirn aus einen Schmerz, genau dahin, wo die Belastung herrscht.
(Quelle, Buch: Der Schmerzcode)